„Hühnerfleisch behält weltweit seine starke Position“

17 November 2022
Agribusiness
Nan Dirk Mulder

Nach Einschätzung von Nan Dirk Mulder wird die Nachfrage nach Hühnerfleisch weltweit weiter stark bleiben. Das erklärte der Geflügelmarktanalyst der niederländischen Rabobank auf der International Poultry Conference, die am 14. November 2022, einen Tag vor Eröffnung der EuroTier 2022 in Hannover stattfand. “Hühnerfleisch ist ein preiswertes Nahrungsmittel“, so Mulder. „Das spielt dem Wirtschaftszweig insbesondere in Zeiten großer Veränderungen in die Karten, wenn die Verbraucher weniger Geld zur Verfügung haben.“ 

"Die Nachfrage nach Geflügelfleisch wird in der kommenden Zeit sehr hoch bleiben", sagte der Geflügelmarktanalyst der Rabobank. "Aufgrund der Wirtschaftskrise haben viele Verbraucher in Europa weniger Geld zur Verfügung und ihre Einkäufe werden teurer. Der Preis wird daher immer wichtiger für Verbraucher. Das bietet gerade für Hühnerfleisch Chancen, weil es relativ billig ist.“ 

Viele Herausforderungen

Nan Dirk Mulder sieht für den Rest dieses Jahres und Anfang des nächsten Jahres viele Herausforderungen auf den Geflügelfleischsektor zukommen: Vogelgrippe, hohe Futter- und Energiekosten, hohe Arbeitskosten und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind nach seiner Meinung die wichtigsten Themen für die kommende Zeit. "Die Arbeitskosten sind hoch, aber die Verfügbarkeit ist vielleicht ein noch größeres Problem. Vor allem für die Akteure in der Geflügelfleischkette, die viele Arbeitskräfte benötigen, wie Geflügelschlachthöfe und Verarbeitungsbetriebe".

Darüber hinaus könne das Coronavirus (Covid-19) und die damit verbundenen Maßnahmen den Broilermarkt ebenso beeinflussen wie geopolitische Fragen. "Die Europäische Kommission hat Anfang des Jahres beschlossen, dass die Ukraine Hühnerfleisch zollfrei in die Europäische Union exportieren darf, wo zuvor ein Kontingent galt. Die ukrainischen Hühnerimporte könnten den europäischen Markt für Masthähnchen ruinieren. Und wenn Russland beschließt, massenhaft brasilianisches Hühnerfleisch zu importieren, könnte sich auch dies negativ auf den europäischen Hähnchenmarkt auswirken.“

Effizient arbeiten

Aufgrund der extrem hohen Futterkosten sind Futterbeschaffung, eine gute Futterverwertung und ein hohes Wachstum der Tiere für die Masthühnerhalter noch wichtiger als sonst, so Mulder. Es gehe darum, kosten- und energieeffizient zu arbeiten. Trotz der vielen Herausforderungen für Masthühnerhalter und den Rest der Branche beurteilt der Experte die Aussichten für Hähnchen-, Puten- und Entenfleisch für den Beginn des Jahres 2023 als gut "Die Nachfrage nach Hühnern und anderen Hühnerarten ist nach wie vor groß, während das Angebot relativ gering ist, was zum Teil auf die zahlreichen Ausbrüche der Vogelgrippe in Europa und dem Rest der Welt zurückzuführen ist.“

Verlagerung der Produktion nach Großbritannien sowie Ost- und Südeuropa 

Auch zu den langfristigen Aussichten für Masthähnchenhalter äußert sich Mulder positiv. "Sowohl die globale als auch die europäische Nachfrage nach Geflügelfleisch werden in den nächsten 10 Jahren weiter ansteigen.“ Angesichts der steigenden europäischen Nachfrage nach Hähnchenfleisch und der rückläufigen Produktion rechnet die Rabobank mit einer Verlagerung der Masthühnerproduktion nach Großbritannien sowie nach Ost- und Südeuropa. In Deutschland wird sich die Produktion reduzieren, weil viele Masthühnererzeuger auf die Initiative Tierwohl umstellen, schätzt Mulder die Lage ein. Im Gegensatz dazu werden im Vereinigten Königreich, in Osteuropa und in Südeuropa viele neue Ställe und Schlachthöfe gebaut, was dort zu einem Anstieg der Produktion führe, weiß der Geflügelmarktanalyst.

Geflügelnews, Text:
Cordula Moebius

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Bild: DLG

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