Die Kinder denken: Landwirtschaft ist böse

01 Dezember 2021
Gesellschaft

Junglandwirt Sebastian Horn macht Öffentlichkeitsarbeit aus Überzeugung, um Ansehen und Akzeptanz für seinen Betrieb und die Landwirtschaft zu erhöhen. Für ihn ist klar: Bauern dürfen nicht müde werden, die Gesellschaft abzuholen. Keine leichte Aufgabe, aber zusammen machbar.

Frage: Basti, dir ist beim Ernten eine Gruppe Grundschüler begegnet. Was genau ist passiert?

Antwort: Mein Vater und ich waren gerade waren am Ackern auf einer Fläche hinter einer Grundschule. Dann kamen die beiden Kinder von der Grundschule rüber und haben gewunken und geguckt. Wir haben angehalten und den Trecker gezeigt und mit ihnen geredet, denn für uns ist selbstverständlich, dass wir uns für sowas die Zeit nehmen.

Frage: Was genau haben die Jungs gefragt?

Antwort: Die haben erstmal nur nach dem Trecker und der Technik gefragt. Und auf einmal sagt der eine Junge: Bist du noch gerne Landwirt? Alles, was man über die Landwirtschaft hört, ist böse.

Frage: Eine heftige Aussage. Was hast du geantwortet?

Antwort: Ich habe erstmal geschluckt, genau wie mein Vater. Das war schon ein harter Kommentar. Und dann habe ich geantwortet, dass ich gerne Landwirt bin. Abends auf dem Sofa hat mich dieser Satz aber nicht mehr losgelassen.

Frage: Was hat dich so getroffen an diesem Vorurteil?

Antwort: Der Junge hat uns als Landwirte nicht in die schlechte Ecke gestellt, sondern wollte wirklich wissen, wie wir uns damit fühlen. Für ihn hängen mit der Landwirtschaft nur schlechte Dinge zusammen, Massentierhaltung, Umweltverschmutzung, Glyphosat… Ich habe mich gefragt: Wo sind wir eigentlich hingekommen, dass Kinder nur böse Dinge über die Landwirtschaft hören? Und wie sind wir dahingekommen?

Frage: Liegt die Ursache auch bei den Landwirten?

Antwort: Haben wir Landwirte schlicht und einfach verpennt, die Leute mitzunehmen? Was müssen wir nachholen? Es ist mir sehr, sehr wichtig, dass die Leute lernen, dass wir nicht böse sind, sondern dass Landwirt sein unser Beruf ist. Und zu diesem Beruf gehört die Nutztierhaltung dazu. Meinen 9.000 Hühnern geht es genauso gut wie den 20 Hühnern beim Nachbarn im Garten. Vor allem, weil es mein Beruf ist, mich um sie zu kümmern und weil ich weiß, was die Tiere brauchen. Das müssen die Kinder wieder verstehen.

Frage: „Das trifft dich als Landwirt schon hart“. Macht dich das persönlich betroffen?

Antwort: Na klar. Du schluckst und denkst dir: ok, der wertet uns ja nicht wirklich ab. Für ihn sind wir immer noch der Bauer mit dem großen Trecker und das findet er toll. Aber in seinem Hinterkopf ist verankert, Landwirtschaft ist böse. So eine Aussage von einem Kind, das trifft dich als Landwirts schon hart.

Frage: Woher bekommen Schüler ihr Bild von der Landwirtschaft?

Antwort: Das Bild der Landwirtschaft wird sehr stark von den Lehrern geprägt, und da liegt das Problem. Ich habe schon mit Lehrern diskutiert, die mir vorwarfen, wir machen die Umwelt kaputt. Ich habe aber auch regelmäßig Lehrer auf dem Hof oder den Kindergarten mitsamt den Eltern, die hinterher gesagt haben: So schlimm ist das ja gar nicht, was ihr da macht, ist doch eigentlich alles total in Ordnung. Auch durch die Medien ist das Bild der Landwirtschaft so schlecht gemacht worden, dass es nun das vorherrschende Bild bei den Schülern ist: Landwirtschaft = Massentierhaltung, Glyphosat, Gentechnik… Landwirtschaft = böse.

Frage: Findest du das unfair?

Antwort: Ja, manchmal schon. Landwirte haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, andere Berufe nicht.

Frage: Was wünschst du dir von den Schulen?

Antwort: Geht auf die Höfe, geht auf die Landwirte zu. Plant eure Themenwochen gemeinsam mit Landwirten. Wir machen und leben die Landwirtschaft. Der Hof und Tiere sind ein und alles für uns Bauern! Und berücksichtigt die Vielfältigkeit der Landwirtschaft – nicht nur Bio mit 10 Kühen, sondern alle Betriebsformen und -größen, auch die realistischen und konventionellen Höfe, die normalen, wo ganz normal Lebensmittel produziert werden.

Frage: Und was ist dein Appell an die Berufskollegen?

Antwort: Wir brauchen uns nicht verteidigen, wir machen gute Arbeit. Aber wir müssen es auch zeigen. Und wir dürfen bei Diskussionen nicht aggressiv werden oder in eine Abwehrhaltung verfallen, auch wenn die Vorwürfe manchmal ungerecht sind.

Junglandwirt Sebastian Horn bewirtschaftet mit seinen Eltern einen Betrieb mit Direktvermarktung und Ackerbau in einem dicht besiedelten Gebiet in NRW. Gerade hat er einen großen Geflügelstall für 9.000 Tiere gebaut. Öffentlichkeitsarbeit liegt ihm am Herzen. Basti ist einer der Blogger für das Junglandwirteportal Hofheld bei agrarheute.

agrarheute / Julia Schürer
Bild: Thomas Fabry

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