„Wir brauchen faire Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel“

08 Februar 2022
Deutschland

Für 100 Eier bekommt ein Legehennenhalter in Deutschland derzeit rund zehn Euro. Ihre Erzeugung kostet ihn jedoch etwa 10,50 Euro. Damit macht er Verlust. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?
Nach Angaben der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) sind hierfür unter anderem die Futtermittelpreise, die im Jahr 2021 deutlich angestiegen sind; der Mischfutterpreis für Legehennen liegt derzeit auf einem Achtjahreshoch. Dazu kommen zunehmend höhere Energie- und Transportkosten. Und Investitionen ins Tierwohl schlagen ebenfalls zu Buche. Der Bundesverband Ei e.V. (BVEi) beziffert sie auf 1,5 bis 2 Cent pro Ei. Mit Sorge blickten die deutschen Legehennenhalter deshalb auf das neue Jahr mit seinen neuen gesetzlichen Bestimmungen, nach denen das Töten männlicher Eintagsküken seit dem 1. Januar 2022 verboten ist.

Die Zusatzkosten für moderne Geschlechtsbestimmungsverfahren im Ei oder die Co-Finanzierung der Bruderhahn-Aufzucht beziffert der BVEi-Vorsitzende Henner Schönecke mit etwa 2 Cent pro Ei: „Wenn Einzelhandel und Verbraucher nicht bereit sind, mehr Geld für das wertvolle Lebensmittel Ei auszugeben, dann droht der heimischen Eierproduktion das Aus.“ Insgesamt setze der Kostendruck der Eierwirtschaft massiv zu, so Henner Schönecke. Seit Monaten zeichne sich eine dramatische Situation für die Betriebe ab. „Wir brauchen jetzt faire Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel“, mahnt Schönecke: „Der Verbraucher hat es mit seinem Einkaufsverhalten in der Hand, die Zukunft der deutschen Legehennenhalter zu sichern. Sonst gibt es bald keine deutschen Eier mehr in den Supermarktregalen.“

Aktuell rechnen Experten damit, dass die Kosten für Futtermittel, Transport und Verpackung in den kommenden Wochen weiter steigen. Hauptgrund ist der Ausstieg aus dem Kükentöten. Damit nimmt der Kostendruck für die Eierproduzenten deutlich zu – allerdings nur in Deutschland. Denn das Gesetz zum Ausstieg aus dem Kükentöten ist eine rein nationale Verordnung. Es fehlt eine EU-weite Regelung, damit die deutschen Legehennenhalter durch diesen massiven Wettbewerbsnachteil nicht noch stärker in Existenznot geraten.

ZDG mit Material von AMI
Bild: ZDG

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