Neue Wege zur klimafreundlichen Eier-Produktion in Thüringen

12 März 2022
Futter

Wenn deutsche Legehennenbetriebe auf regionales oder europäisches Soja setzen, können sie die Kohlendioxidbelastung der Umwelt positiv beeinflussen. Ein Beispiel hierfür ist der Geflügelhof Teichweiden in der Nähe von Rudolstadt (Thüringen). Hier hat man es geschafft, die CO2-Belastung der Umwelt aus der Legehennenhaltung um 49 Prozent zu senken. 

Von der Massenware abheben

Einen großen Anteil daran hat die Entscheidung des Geflügelhofs, seine knapp 60.000 Legehennen seit 2017 nur noch mit gentechnisch unverändertem Soja aus europäischem Anbau zu füttern. Das Unternehmen bezieht zertifiziertes Soja vom Verein Donau Soja, einem gemeinnützigen, unabhängigen Verein, der sich für einen nachhaltigen und unabhängigen Sojaanbau in Europa stark macht. Zusätzlich optimierte es die Anteile an Soja, Erbsen und Raps in der Futterration.

„Als kleineres ortsansässiges Unternehmen denken wir automatisch mehr über regionale Strukturen nach“, erläutert Annerose Blöttner, Geschäftsführerin des Geflügelhofes Teichweiden, ihre Beweggründe, sich im Einkauf der Rohstoff und in der Vermarktung regional zu orientieren. „Wir wollen uns von der Massenware abheben, die Transportwege verkürzen und die regionale Wertschöpfung stärken.“ Es habe einige Anstrengung gekostet, auch die Kraftfutterwerke von der Strategie zu überzeugen, europäisches Soja zu verarbeiten. Doch heute „gehen zwei Hersteller den Weg mit.“ Dies geschehe, weil mittlerweile auch die Verbraucher für diese Thematik sensibilisiert seien und über Transportentfernungen nachdenken. 

Enormes Potenzial zur Reduktion von CO2-Emissionen

Von der Umstellung auf europäisches Soja profitierten viele, sagt Susanne Fromwald, Senior Advisor des Vereins Donau Soja - die Umwelt, das Klima, die Landwirte und die Verbraucher. Schließlich sei ein Drittel der CO2-Emissionen aus der Eiererzeugung allein auf Soja zurückzuführen; ein Kilogramm deutsches Durchschnitts-Ei habe eine Kohlendioxidbilanz von 2,9 Kilogramm vorzuweisen. „Im Vergleich dazu belastet der Betrieb in Teichweiden die Umwelt mit 1,4 Kilogramm Kohlendioxid pro Kilogramm Ei weniger und reduziert seinen Ausstoß damit um fast die Hälfte.“ Das habe eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) ergeben. 

„Deutschland hat ein enormes Potenzial bei der Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks in der Tierhaltung und beim Soja-Anbau“, so Fromwald. Viele Flächen eignen sich für den Anbau von Eiweißpflanzen, die Gunstlagen auch für Soja. Nach dem Vorbild des Geflügelhofs Teichweiden könnten deutschlandweit circa 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden werden. „Das entspricht den Emissionen der Gesamtbevölkerung von Jena, einer Stadt mit etwa 110 000 Einwohnern.“ 

Thüringer Agrarbetrieb in Vorreiterrolle

„Unsere Verantwortung für eine klima- und umweltverträgliche sowie sozial gerechte Landwirtschaft endet nicht an den Grenzen Thüringens, Deutschlands oder der EU“, unterstreicht Thüringens Agrarministerin Susanna Karawanskij, die die Strategie des Geflügelhofs Teichweiden unterstützt. Der großflächige Anbau von gentechnisch verändertem Soja für den Export nach Europa führe insbesondere in Südamerika zu erheblichen Umwelt- und Sozialkonflikten. Deshalb spreche sich die Thüringer Landesregierung bisher auf Bundes- und EU-Ebene gegen das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten aus. „Neben dem stärkeren Anbau von heimischen Eiweißpflanzen unterstützen wir Initiativen, die ökologisch und sozial verantwortliche Lieferketten im Agrarbereich etablieren. Ich begrüße es sehr, dass ein Thüringer Agrarbetrieb hier eine Vorreiterrolle einnimmt“, so Karawanskij.

 

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Donau-Soja

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