Nachwuchsmangel: Tierärzte schlagen Alarm

13 Juni 2023
Deutschland
Tierärztemangel

In Deutschland werden die Veterinäre knapp. Besonders in den Nutztierpraxen fehlt der Nachwuchs, hier gibt es viele offene Stellen. Das berichtet Prof. Thomas Vahlenkamp, Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Für Tierhalter keine gute Prognose.

Mit dem Problem, dass sich zu wenig Veterinäre für eine Arbeit bei Nutztieren entscheiden, steht Deutschland nicht allein da. Auf einem Kongress europäischer Veterinäre in Leipzig wurde deshalb diskutiert, wie man die Wertschätzung für den Beruf erhöhen und mehr Interesse für ein Studium der Veterinärmedizin wecken kann.

Immer mehr Haustiere in Deutschland

Einer der Gründe für den Mangel in Nutztierpraxen ist, dass Haustiere hierzulande eine immer wichtigere und zahlenmäßig wachsende Rolle spielen. Über 25. Mio. Hunde und Katzen leben mittlerweile in deutschen Haushalten. Daher wächst der Bedarf an Kleintierpraxen, aber ebenso der Wunsch vieler Studierenden, in diesem Sektor zu arbeiten, sagt Prof. Thomas Vahlenkamp. In Folge entstehen Lücken in der qualifizierten Versorgung anderer Bereiche. Dazu gehört neben der Nutztiermedizin das öffentliche Veterinärwesen mit der Lebensmittelhygiene, dem Tierschutz und der Tierseuchenbekämpfung, so der Dekan.

Um dem Mangel an Tierärzten zu begegnen, „müssen wir an den bestehenden fünf veterinärmedizinischen Bildungsstätten in Deutschland mehr ausbilden“, forderte der Wissenschaftler.

Flächendeckende Versorgung in Gefahr

Bereits auf dem Jahreskongress des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt) zur EuroTier im vergangenen November wurde das Thema Nachwuchsmangel in Nutztierpraxen diskutiert. Der bpt-Geschäftsführer Heiko Färber schlug dort Alarm: Der Mangel an tierärztlichem Nachwuchs sei inzwischen so gravierend, dass eine flächendeckende Versorgung nutztierhaltender Betriebe ernsthaft in Gefahr sei. Wenn es keine Tierärzte mehr gibt, könnten keine Nutztiere mehr gehalten werden, so die logische Konsequenz.

Mit als Grund nannte Heiko Färber neben anderem ein unzureichendes Auswahlverfahren für das Tiermedizin-Studium oder eine überbordende Bürokratie, die verhindere, dass ausgebildete Tierärzte und Tierärztinnen sich selbständig machten mit eigener Praxis.

Inzwischen seien infolge des Mangels auch bereits Überlegungen zur Nutzung von Telemedizin im Gespräch.

Christa Diekmann-Lenartz, AgE
Bild: Adobe_Nomad-Soul

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