Getreidemarkt weiterhin unübersichtlich

14 Juli 2022
Rohstoffe

Ganz so dramatisch, wie es von Vertretern der Agrarlobby geschildert wird, ist die Situation am Getreidemarkt offensichtlich nicht. Zwar signalisieren die Prognosen hierzulande witterungsbedingt schlechte Ernteergebnisse, dennoch fallen die Preise und erreichen fast das „Vorkriegsniveau“.

Grund sind Exportmöglichkeiten für ukrainisches Getreide, nachdem Russland offenbar die Restriktionen an den Grenzen gelockert hat. Zudem wird eine hohe Erntemenge erwartet, was zu Überschüssen führt und die Lockerungen verständlich macht.

Es erklärt auch die Steigerung der Lieferungen von Getreide, Hülsenfrüchten und Soja aus der Ukraine, die mit 500.000 Tonnen stabil blieben. Soja stieg gegenüber dem Vormonat sogar um 25 % an. Die Initiative Donau Soja beschreibt in der jüngsten Pressemeldung die Lieferungen von zertifiziertem non-GMO-Soja deshalb als stabil.

Die Futterpreise für den Lege- und Mastbereich haben etwas nachgeben, so dass es eine gewisse Entspannung gibt. Es mehrt sich der Eindruck von Spekulationsgeschäften an den Börsen. Denn das Auf und Ab der Preise für Futtergetreide verspricht Gewinne, die zu Lasten der Eier- und Geflügelproduzenten gehen, die dann zum Ausgleich höhere Preise einfordern müssen. Das hat Auswirkungen auf den Konsum, es gibt bereits Prognosen über Einbrüche.

Preisentwicklung am internationalen Eier- und Geflügelfleischmarkt

Die EU-Kommission bezifferte den durchschnittlichen Preis für Broiler zuletzt bei 2,61 €/kg, gegenüber 2,10 € im Vorjahr. In den USA liegt der vergleichbare Preis mit 3,44 € deutlich darüber, während Brasilien, der wichtigste Anbieter am EU-Markt, mit 1,38 € mehr als wettbewerbsfähig ist.

Ähnlich sieht die Entwicklung an den Eiermärkten aus. Der durchschnittliche Preis ab Packstelle lag zuletzt bei 1,79 €/kg gegenüber 1,3 € ein Jahr zuvor. Die Tendenz ist allerdings rückläufig, im April waren es noch über 1,9 €.

Ein Blick auf die Prognosen 2022 am EU-Getreidemarkt zeigt eine stabile Tendenz gegenüber dem Vorjahr, also keinen Rückgang des Angebots. Das betrifft sowohl Cerealien als auch Weizen und Mais. Die Bestände von Soja liegen sogar über Vorjahr. Die Preise sind ebenfalls rückläufig und es bleibt zu hoffen, dass der Markt für Mischfuttermittel reagiert und die Eier- und Geflügelfleischproduzenten Entlastung erfahren.

Energieversorgung kaum noch kalkulierbar

Die Energieversorgung ist allerdings eine kaum noch kalkulierbare Größe. Das betrifft sowohl die Logistik als auch den Produktions- und Verarbeitungsbereich, der ebenso auf eine gute Energieversorgung angewiesen ist. Steigende Energiepreise und zusätzliche Kosten für Lebensmittel lassen zudem ein zurückhaltendes Kaufverhalten der Verbraucher befürchten, was negative Auswirkungen für die gesamte Branche bedeutet. 

(CD)
Bild: Geflügelnews

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