Gehölzstreifen: Nicht auf eigene Faust lospflanzen

13 Mai 2023
Legehenne
Gehölzpflanzung

Legehennen-Ausläufe werden immer öfter mit Gehölzstreifen bepflanzt. Diese sorgen dafür, dass die Fläche von den Tieren besser genutzt wird. Vor einer Pflanzung sollten auch rechtliche Punkte geklärt werden.

Auch hierzulande sieht man immer häufiger Legehennen-Ausläufe, auf denen nicht allein Unterstände Schutz und Deckung bieten. Reihen von Pappeln, manchmal auch von Weiden oder Erlen, strukturieren die Ausläufe. Sie sorgen dafür, dass die Tiere sich in die weiter vom Stall entfernten Bereiche trauen.

Wer als Halterin oder Halter von Freiland-Legehennen Gehölzstreifen in seinem Auslauf anpflanzen will, sollte sich nicht nur zur Auswahl der Gehölzart, Pflanzung, Pflege und Ernte fachkundig beraten lassen. Es sind auch rechtliche Vorgaben zu beachten.

In Niedersachsen ist LAVES zuständig

Wie ein Legehennen-Auslauf in der konventionellen Erzeugung aussehen muss, wird in Deutschland und der EU einheitlich über die EU-Vermarktungsnormen für Eier geregelt. In Niedersachsen ist für die Kontrollen zur Einhaltung dieser Normen das Dezernat 43 „Marktüberwachung“ des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, LAVES, zuständig.

Aus Sicht des Dezernates Marktüberwachung wird das Anlegen von Gehölzstreifen in Legehennenausläufen im Sinne der Tiere grundsätzlich positiv gesehen, da sie zu einer deutlich besseren Nutzung der Auslauffläche durch die Tiere führen.

In den seit 2008 geltenden EU-Vermarktungsnormen sind allerdings keine Vorgaben explizit zu den Gehölzstreifen ausgeführt. Man sieht sie hierzulande auch erst seit ein paar Jahren. In der Regel erhält der Legehennenhalter von der Firma, von der er die Gehölz-Stecklinge kauft bzw. pflanzen lässt, Empfehlungen zur Pflanzdichte und Verteilung in der Auslauffläche. Beides muss sich dabei an den Bedürfnissen der Legehennen orientieren.

Pläne im Vorfeld besprechen

Seitens des LAVES wird angeregt, dass sich Legehennenbetriebe mit ihren Plänen zur Anpflanzung im Vorfeld beim Dezernat 43 Marktüberwachung melden. Dafür gebe es zwar keine rechtliche Verpflichtung, aber eventuell auftauchende Fragen der unzulässigen Doppelnutzung oder unterschiedliche Auffassungen könnten dann vor der Pflanzung besprochen werden. So kann laut LAVES auch auf die individuellen Verhältnisse hinsichtlich Stall, Lage und Größe der Auslauffläche oder der Herdengröße eingegangen werden.

Wichtig ist der Behörde, dass die Gehölzstreifen keine Barriere für die Tiere darstellen auf dem Weg vom Stall in die Auslauffläche, sondern diese in den Auslauf leiten. Oft bietet sich deshalb eine sternförmige Anlage der Gehölzstreifen an. Aber auch mit inselförmigen Anpflanzungen mit Gehölzen unterschiedlicher Wuchshöhen kann dieses Ziel erreicht werden.

Pappeln, Weiden oder Erlen verlieren im Herbst ihr Laub und bieten dann keine wirkliche Deckung mehr für die Hennen. Deshalb müssen weiterhin Unterstände im Auslauf stehen. Zu Anzahl und Größe der Unterstände gibt es Vorgaben des LAVES, die dabei zu beachten sind.  

Ökohaltung erlaubt Doppelnutzung des Auslaufs

Ärgerlich für viele Betriebe mit konventioneller Freilandeier-Produktion ist, dass laut EU-Vermarktungsnormen keine Doppelnutzung des Auslaufs, und damit auch nicht eines Gehölzstreifen, möglich ist. Für Unverständnis sorgt vor allem, dass bei Öko-Freilandhaltung eine solche Doppelnutzung erlaubt ist.

Damit die Gehölze im Auslauf nicht zu üppig werden, werden sie in der Regel alle paar Jahre bis auf den Stock zurückgeschnitten. Um die Funktion der Gehölzstreifen als Leitbahnen und natürliche Unterstände für die Legehennen nicht zu beeinträchtigen, erfolgen diese Schnitte wechselnd, sprich, nicht alle Gehölze werden in einem Jahr geschnitten. Bei den Pflegeschnitten dazwischen fallen in der Regel nur geringere Mengen an, die keinen wirtschaftlichen Ertrag erbringen.

Werden die Gehölze jedoch bis auf den Stock zurückgeschnitten, eignet sich das Holz zum Beispiel gut zur Verbrennung in Hackschnitzelheizungen. In konventionellen Betrieben ist das aber nur erlaubt, wenn hiermit ausschließlich der zugehörige Legehennenstall beheizt würde – was de facto kaum vorkommen wird.

Kritische Diskussion um Flächen-Photovoltaik

Aktuell wird unter dem Aspekt der Flächenkonkurrenz und der Forderung nach mehr Erneuerbaren Energien das Verbot der Doppelnutzung von Ausläufen besonders kritisch diskutiert. Im Fokus stehen dabei die Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Auch diese dürfen nach jetzigem Recht nicht in konventionellen Geflügel-Ausläufen aufgebaut werden. In Öko-Ausläufen sind in Deutschland bereits erste aufgeständerte Photovoltaikanlagen installiert. In Niedersachsen sind entsprechende Pilotanlagen in Planung.

Angesichts der Forderung nach mehr erneuerbaren Energien und Energieautarkie kämpfen die Fachverbände bereits seit längerem für eine Änderung der EU-Vermarktungsnormen und anderer hinderlicher rechtlicher Rahmenbedingungen.

Von Seiten Brüssels wurde tatsächlich bereits im vergangenen Jahr eine Novellierung angekündigt, die aktuell für diesen Sommer avisiert ist. Das LAVES wird aktuell noch einmal eine Stellungnahme zum jetzigen Entwurf abgeben - in der die Behörde das Verbot der Doppelnutzung kritisch hinterfragt.

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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