Erfolgreich in der Mobilstallhaltung

29 Dezember 2023
Mobilstall
Wissenspartner Vater und Sohn

Michel Cordes kann voll auf die Unterstützung seines Vaters zählen. Obwohl Jörg Cordes einen Vollzeit-Job außerhalb der Landwirtschaft hat, managt er den Betrieb mit seinem Sohn gemeinsam. Auch die Mutter und die Großeltern von Michel Cordes packen jeden Tag mit an.

In wenigen Wochen wird Michel Cordes seinen vierten Mobilstall in Betrieb nehmen. Insgesamt 4.000 Legehennen wird er dann halten. Um möglichst viel Zeit für die Tiere zu haben, werden alle Arbeitsschritte genau durchdacht.

Die vier Hektar große Hühnerweide auf dem Betrieb von Michel Cordes ist mit hohem, saftigem Gras bewachsen. Dem Junglandwirt aus Zetel im Landkreis Friesland ist es wichtig, dass die Grasnarbe möglichst überall intakt ist und seine Legehennen einen gut gepflegten Auslauf haben. „Eigentlich bräuchten wir laut Gesetz nur vier Quadratmeter pro Henne“, sagt der 22-Jährige. „Aber wir haben den Auslauf auf sieben Quadratmeter vergrößert, weil die Fläche sonst zu schnell schwarz wird.“ Es muss den Hennen gut gehen, da ist sich Michel Cordes sicher – dann stimmt auch die Eiqualität.

Und dass die Eiqualität tatsächlich stimmt, zeigt das rasante Wachstum auf dem Cordes-Hof. Erst im März 2021 hat sich Michel Cordes, noch während seiner Ausbildung zum Landwirt, seinen ersten Mobilstall mit 450 Legehennen angeschafft. Ein Jahr später folgte schon der nächste – diesmal mit 950 Plätzen. Der Eierverkauf lief gut und die Arbeit machte Spaß. Warum also nicht noch größer werden, dachte sich der junge Landwirt und kaufte sich im März dieses Jahres einen dritten und im August auch gleich noch einen vierten Mobilstall. Beide mit jeweils 1.300 Hennenplätzen.

Noch steht der vierte Mobilstall leer. In wenigen Wochen wird jedoch auch dieser Stall belegt werden und insgesamt wird es dann 4.000 Legehennen auf dem Cordes-Hof geben.

Bevor der Junglandwirt mit seinen Mobilställen gestartet ist, gab es auf der elterlichen Hofstelle schon seit zehn Jahren keinen aktiven, landwirtschaftlichen Betrieb mehr. Sein Opa war 2011 aus der Milchviehhaltung ausgestiegen und seine Eltern arbeiten beide außerhalb der Landwirtschaft. Für Michel Cordes war jedoch klar, dass er Bauer werden wollte. Am besten mit einem eigenen Betrieb. Ganz alleine wäre das jedoch nicht zu schaffen und der junge Landwirt ist froh, dass seine ganze Familie genauso viel Lust auf die Landwirtschaft hat wie er selbst. „Jeder hat seinen festen Stall, um den er sich kümmert und der zwei Mal täglich kontrolliert wird“, erzählt Michel Cordes. „Einen Stall kontrolliere ich, einen macht mein Vater, einen meine Mutter und einen mein Opa.“ Auch die Oma packt mit an und hilft beim Eiersortieren. Bei der großen Menge an Eiern, die hier jeden Tag gelegt werden, braucht es jedoch noch eine weitere Unterstützung. Den Großteil der Sortierarbeit erledigt inzwischen eine Sortiermaschine, die bis zu 6.000 Eier in der Stunde schaut.

Moderne Technik spart viel Arbeitszeit: Beleuchtung, Lüftung, Auslauf, Futter, Nester - die beiden großen Mobilställe von Michel Cordes managen vieles von alleine. Und wenn es mal Probleme gibt, dann melden sie sich ganz von selbst bei ihm.
Der angebaute Wintergarten bietet den Hennen, vor allem im Falle einer Aufstallpflicht, zusätzlichen Platz. Dass die Stahlträger in diesem Stall außen verbaut wurden, sei vor allem für die Stallreinigung ein großer Vorteil, findet Michel Cordes.
Dank eingebauter Tierwaage und automatischer, digitaler Aufzeichnung kann Junglandwirt Michel Cordes das Gewicht seiner Legehennen jederzeit überprüfen.

Vermarktung über Eier-Bringservice

Jörg Cordes, Michels Vater, kümmert sich, neben seiner Vollzeitstelle bei der Post, auch um die Vermarktung. Ein Teil der Eier wird über drei Verkaufsautomaten vermarktet, von denen zwei auf zwei Campingplätzen in der Nähe stehen. „Das ist wirklich praktisch für die Eiervermarktung, denn so haben wir kein Sommerloch im Verkauf“, sagt Jörg Cordes. Ein weiterer Automat steht in einer nahegelegenen Landschlachterei. Zusätzlich hat sich Familie Cordes für einen eher ausgefallenen Vermarktungsweg entschieden: den kostenlosen Eier-Bringservice. Für diesen ist ebenfalls Vater Jörg zuständig: „Ich beliefere jeden Sonntagmorgen etwa 70 Haushalte in den Gemeinden Zetel und Bockhorn mit frischen Eiern. Die Kunden können vorher per Telefon oder WhatsApp bei mir bestellen, legen das Geld vor die Tür und ich stelle die Eier ab. Das läuft total gut und hat sich auch schnell rumgesprochen.“

Zusätzlich liefert der Hof seine Eier an mehrere regionale Direktvermarkter sowie einen eigentümergeführten Rewe-Markt und zwei Wochenmärkte. Um künftig noch mehr Eier über den Lebensmitteleinzelhandel vermarkten zu können, durchläuft der Betrieb aktuell zusätzlich eine KAT-Zertifizierung. Denn ein Grundprinzip von Michel Cordes ist, dass der Eierabsatz zu jeder Zeit gewährleistet sein muss. „Das Teuerste, was uns passieren kann ist, dass ich Hennen habe, die Kosten verursachen, ich aber die Eier nicht alle verkaufen kann“, sagt Michel Cordes. „Wir verdienen das Geld dadurch, dass wir jedes Ei verkauft bekommen.“

Marketing lieber an einen Profi abgeben

Damit das auch gelingt, setzt Familie Cordes auf ein professionelles Marketing. Am Anfang habe er sich noch selbst mit Facebook und Instagram befasst, erzählt Michel Cordes. Sein eigentlicher Job sei jedoch im Stall und auf der Weide, weshalb er das Marketing abgegeben hat. Alle paar Wochen kommt daher ein Medien-Pro_ auf den Hof und macht Fotos und Videos vom Hofalltag. Die Vorteile waren Michel Cordes schnell klar: „Der Mensch, der das Marketing für uns macht, kommt selbst nicht aus der Landwirtschaft und weiß dadurch viel eher, was für die Verbraucher spannend und interessant sein könnte. Man selbst kann da ja schnell betriebsblind werden.“ Bis zu 400 Euro kostet das im Monat – und zahlt sich aus. Denn den Fokus auf das Marketing zu setzen, da ist sich Michel Cordes sicher, sei mit der Grund dafür, dass das rasante Betriebswachstum überhaupt erst möglich wurde.

Ebenfalls aus Marketinggründen verkauft Michel Cordes auch regelmäßig seine geschlachteten Althennen. Im Vorfeld wird dafür der Schlachttermin in den sozialen Medien angekündigt und auf Vorbestellung kann dann ein Suppenhuhn abgeholt werden. Am Schlachttag kommt ein mobiler Schlachter auf den Hof Cordes und die Kunden können die Hennen direkt nach dem Schlachten mitnehmen. Der Rest der Hennen wird an einen regulären Schlachtbetrieb verkauft.

Neben dem Markteing ist es Familie Cordes wichtig, den Fokus vor allem auf den Tieren zu haben. Um dafür genügend Zeit zu haben, setzt sich die Familie regelmäßig zusammen und überlegt, an welcher Stelle im alltäglichen Ablauf Arbeitszeit eingespart werden könnte. Vater Jörg Cordes: „Wir versuchen laufend, unsere Prozesse zu optimieren, um Zeit zu sparen. Wir haben zum Beispiel gerade Strom und Wasser nach hinten auf die Weide verlegt.“ Das koste zwar Geld, zahle sich langfristig jedoch ganz klar aus. „Es ist wichtig, dass wir den Großteil unserer Arbeitszeit für die Tiere zur Verfügung haben“, da ist sich Jörg Cordes sicher. „Wenn es den Hennen nicht gut geht, müssen wir über die Vermarktung gar nicht nachdenken.“

Zusätzlich zur laufenden Prozessoptimierung wird auch viel Arbeitszeit durch die beiden neuen Ställe eingespart, die in einem hohen Maße technisiert sind. Lüftung, Tränke, Fütterung, Eiersammelband – all das wird im Vorfeld in den Stall-Computer eingegeben und läuft dann automatisch. Die Solltemperatur im Stall beträgt 20 °C. Ab 24 °C schaltet sich ein Lüfter ein. Gleichzeitig sammelt der Computer viele wichtige Daten und stellt sie anschließend als abrufbare Statistik zur Verfügung. So sieht Michel Cordes auf einen Blick, ob seine Tiere ausreichend fressen, genügend zunehmen, regelmäßig Eier legen und auch, wie lange das Futter noch reicht. Die Daten kann er bei Bedarf per E-Mail an seinen Tierarzt schicken, was ebenfalls Arbeitszeit spart und ein Beitrag für eine verbesserte Tiergesundheit sein kann.

Externe Beratung zur Biosicherheit

So wie in die Technik und die Vermarktung, musste sich Familie Cordes auch in die Biosicherheit komplett neu einarbeiten. Aber auch hier setzen sie auf Hilfe von außen. Und die kam sogar ganz von allein, erzählt Jörg Cordes. „Ein Genossenschaftsberater hat auf der Autobahn zufällig den Transporter mit unserem ersten Mobilstall gesehen und ist ihm kurzerhand bis zu unserem Hof gefolgt.

Von Hygienemanagement und Biosicherheit hatten wir bis dahin ja keine Ahnung. Da richten wir uns bis heute vor allem nach den Empfehlungen unserer Berater“.

 

Land und Forst / Leonie Jost
Bild: Land und Forst / Leonie Jost

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