Auch Holz lässt sich gut desinfizieren

03 Juli 2022
Legehenne

Auf dem Ankumer Biolegehennen-Forum gab es vergangene Woche nützliche Infos und Tipps für Praktiker. Ein größerer Themenkomplex war die Reinigung und Desinfektion sowie die Salmonellenvorsorge im Biobetrieb.

Holz findet als Baumaterial in der konventionellen Tierhaltung zumindest in Norddeutschland eher wenig Verwendung. Dass Holz für Stallbau und -einrichtung aus hygienischer Sicht nicht gut geeignet ist, ist jedoch ein Vorurteil: „Auch Holz ist gut desinfizierbar“, betonte Prof. Dr. Uwe Rösler von der Freien Universität Berlin als Referent auf dem Ankumer Biolegehennen-Forum. 

Beton lässt sich schlechter desinfizieren als Holz

Prof. Rösler referierte über die Möglichkeiten und Grenzen von Reinigung und Desinfektion im Biobetrieb. Wie er anfangs klarstellte, gibt es grundsätzlich keinen großen Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Betrieb, was die Möglichkeiten der Desinfektion angeht. Eingesetzt werden dürfen überall generell nur Wirkstoffe gemäß EU-Biozid-Verordnung, in Biobetrieben jedoch nur diejenigen, die zusätzlich gemäß EU-Öko-Verordnung erlaubt sind. Einen Unterschied mache jedoch, dass im Biobereich auch ein Auslauf oder Wintergarten zu behandeln sei und dass dort häufig noch andere Baumaterialien wie etwa Holz zum Einsatz kommen. Zum Thema Holz und Hygiene führt sein Haus derzeit eine Studie durch. Seine Aussage: „Beton lässt sich schlechter desinfizieren als Holz, der pH-Wert von Beton ist wechselnd und Korrosion ist bei Beton ein wichtiges Thema.“

„Mit den verfügbaren, zugelassenen Mitteln kann eine effektive Desinfektion von Ställen grundsätzlich sichergestellt werden. Es gibt Mittel gegen alle Erregerarten, die auch bei widrigen Bedingungen wie Frost oder Verschmutzungen ihre Wirkung entfalten“, sagt Prof. Dr. Uwe Rösler von der Freien Universität Berlin.

Die Zulassung für Desinfektionsmittel erfolgt in der EU nach einer Prüfung und Bewertung der enthaltenen Wirkstoffe. Bewertet werden Umweltwirkung oder der Arbeitsschutz, nicht aber vordergründig die eigentliche Desinfektions-Wirksamkeit. Anträge auf die teure Prüfung und Bewertung von Wirkstoffen müssen durch die Hersteller erfolgen. Ob ein Wirkstoff zur Prüfung angemeldet wird, hängt deshalb stark davon ab, ob es wirtschaftlich interessant ist für den Hersteller. Als wichtige Wirkstoffe für die Desinfektion im Tierhaltungsbetrieb, die auch im Biobetrieb einsetzbar sind, nannte Prof. Rösler Ameisensäure, Peressigsäure und Wasserstoffperoxid. 

Deutlich sagte der Veterinärmediziner, dass mit den verfügbaren, zugelassenen Mitteln eine effektive Desinfektion von Ställen grundsätzlich sichergestellt werden kann. Es gebe Mittel gegen alle Erregerarten, die auch bei widrigen Bedingungen wie Frost oder Verschmutzungen ihre Wirkung entfalteten. Eine Ausnahme im Biobereich ist, dass keine Mittel gegen Kokzidien und Wurminfektionen einsetzbar sind. 

DVG-Liste gibt eine gute Orientierung

Zudem wies der Fachmann aus Berlin darauf hin, dass Mittel immer nur für eine bestimmte Ausbringtechnik zugelassen sind und in einer bestimmten Konzentration einzusetzen sind, Einwirkungszeiten sind auch genannt. Zu bedenken gab er, dass die Zulassungstests in der Regel auf gereinigten und glatten Oberflächen erfolgten. „Das passt nicht immer für den Biobereich“, so der Wissenschaftler.  

Hier gebe die DVG-Liste dem Anwender gute Orientierung, da dort Restverschmutzungen und auch raue Oberflächen berücksichtigt werden. Das gelte auch bezüglich der Temperaturen beim Einsatz. Die Zulassungstests von Desinfektions-Wirkstoffen erfolgen in der Regel bei 10 °C. In offenen Ställen, Wintergärten und Auslauf sind die Temperaturen aber natürlich oft niedriger. Die DVG hat (im Zusammenhang mit ASP) Ameisensäure bei -10 °C getestet, hier ist dann eine deutlich höhere Konzentration nötig. Die Werte finden sich in der DVG-Liste. Peressigsäure ist nach Aussage von Prof. Rösler sehr „robust“ und auch bei Verschmutzungen wirksam und sie hat fast keinen Kältefehler. Für Wasserstoffperoxid gelte das Gleiche. 

Wo liegen Schwachstellen bei der Desinfektion von Bio-Geflügelställen? 

Prof. Rösler stellte eigene Untersuchungen in fünf Masthähnchenställen vor. Sie wurden vor und nach der Desinfektion auf Keime und Enterokokken beprobt. Zu bedenken gab er dabei, dass Masthähnchenställe eigentlich einfacher zu desinfizieren sind als Legehennenställe, da es deutlich weniger Stalleinrichtung gibt. Trotzdem wurden in allen fünf Hähnchenställen nach der Desinfektion noch Enterokokken gefunden, in vier Ställen auch noch Coli-Keime. Sie fanden sich in Bodenritzen, an Stellen, wo irgendetwas an die Einrichtung angeschraubt war, an Stiefeln, Kadavereimern, Abflussrohren des Handwaschbeckens im Vorraum oder am Equipment, das in mehreren Ställen genutzt wurde. Auch im Stallumfeld wurden noch Keime gefunden. Es waren, darauf wies Prof. Rösler hin, die gleichen Keime, die es vor der Desinfektion im Stall/Stallumfeld gab. Die Infektionsketten waren also nicht unterbrochen worden. Die Mengen waren zwar gering, aber es reichen bei diesen Erregern teils schon zehn Keime, um eine gesamte neueingestallte Herde innerhalb von wenigen Tagen zu infizieren! Der Gesundheitsstatus einer Herde hänge auch noch von Management, Fütterung etc. ab, aber Ziel müsse immer sein, die Desinfektion zu optimieren und Schwachstellen auszumerzen.

Bei Enterokokken oder Colikeimen können schon zehn Keime reichen, um eine gesamte neu eingestallte Herde innerhalb von wenigen Tagen zu infizieren!

CE-Kulturen geben Hoffnung für die Zukunft

Neben der richtigen Anwendung des passenden Desinfektionsmittels nannte Prof. Rösler als künftige erfolgversprechende Zusatzmaßnahme die so genannten „CE-Kulturen“ (CE=Competitive Exclusion). Bei den CE-Kulturen handelt es sich meist um die Darmflora von – gesunden – Eltern- oder Großelterntieren. Wenn Eintagsküken diese „gute“ Darmflora aufnehmen, sind sie geschützt  gegen krankmachende Keime wie Salmonellen, Campylobacter oder E. Ccoli. Zudem werde der Stoffwechsel der Küken stabilisiert. Die einmal aufgebaute Darmflora im Küken („Mikrobiom“) bleibe lange stabil. Die CE-Kulturen haben ihre Wirksamkeit schon seit vielen Jahren erwiesen. Leider sind sie in der EU bislang nicht zugelassen zur Verwendung am Tier, da sie in ihrer Zusammensetzung nicht komplett bekannt und immer identisch sind. Wie Prof. Rösler informierte, werde in diesem Bereich weiter intensiv geforscht und die Zulassung entsprechender Produkte zur Anwendung direkt am Tier ist hoffentlich in Zukunft möglich. 

Desinfektionsmatten haben einen eher psychologischen Effekt

Eine sehr fragliche Wirksamkeit hat laut Prof. Rösler die Desinfektion von Stiefeln/Schuhwerk mittels Desinfektionsmatten. Die nötigen Einwirkzeiten würden hierbei bei weitem nicht erreicht, niemand bleibe länger auf der Matte stehen. Eine Desinfektion von Schuhwerk müsse in Stiefelwannen erfolgen, die Einwirkzeit betrage mindestens 30 Minuten. Dennoch wollte er die Desinfektionsmatten nicht grundsätzlich verbannen, sie unterstützen psychologisch die Trennung zwischen schwarz und weiß. 

Verschäumende Verfahren sind laut Prof. Rösler hingegen eine sehr gute Möglichkeit, die Einwirkzeit von Desinfektionsmitteln auf Wänden, Gerätschaften etc. zu optimieren. Dabei komme es stark auf die Porengröße beim Schaum an, man solle sich diesbezüglich von Fachleuten der Desinfektionsmittelfirmen beraten lassen. 

Für die Desinfektion von konventionellen Ausläufen können Brannt- oder Löschkalk bzw. Kalkmilch eingesetzt werden. Sie sind als Düngemittel zugelassen. Da Brannt- und Löschkalk nur eine geringe Tiefenwirkung haben (in 2 bis 3 cm Tiefe keine ausreichende Desinfektionswirkung mehr!), muss etwa bei Salmonellen-Problemen ggf. Boden abgetragen werden (mindestens 10-25 cm). Kalkmilch dringt zwar in den Boden ein, es gibt jedoch kaum Hersteller und bei Kalkmilch ist aufgrund der Entmischung immer ein umständliches Aufrühren nötig. Da zum Beispiel Salmonellen sehr UV-empfindlich sind, kann zur Bekämpfung/Vorbeuge der Auslauf im Frühjahr sehr kurz gemäht werden, wenn die Sonne scheint. Branntkalk sollte bei großer Hitze zudem nicht verwendet werden (Brandgefahr!). Im Biobereich darf Kalk bei „Gefahr im Verzug“ eingesetzt werden. Das wäre zum Beispiel bei Seuchengefahr (Geflügelpest) oder bei Salmonellenproblemen der Fall. 

Land und Forst / Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Screenshot Ankumer Bio Legehenenforum 2022, Geflügelnews

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